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Eine Mitarbeiterin von Ärzte der Welt auf der Insel Lesbos

Update Lesbos: Verlorenes Paradies

Update Lesbos: Verlorenes Paradies

Rund 18.000 Flüchtlinge sitzen auf den Ägäischen Inseln fest. Die meisten von ihnen leben unter schlimmen Bedingungen. Das hat nicht nur Folgen für die körperliche Gesundheit der Menschen, auch ihre Psyche leidet zunehmend. Ärzte der Welt unterstützt sie dabei, besser mit ihrer Situation zurecht zu kommen.

„Es gibt kein Zaubermittel, das den Schmerz einfach verschwinden lässt”, erzählt Daanya (Name geändert) aus Syrien. Ihre Kinder wurden in  dem Krieg in ihrer Heimat getötet. Die vielen Kindergesichter in dem Flüchtlingslager auf der Insel Lesbos, in das sie sich mit ihrem Mann retten konnte, erinnerten sie täglich daran, sagt die 23-Jährige. „Die meisten Menschen suchen nach Wegen, ein so schmerzhaftes Erlebnis einfach wegzuwischen. Das führt jedoch nicht zu Erleichterung, sondern macht es nur noch schlimmer. Bei der Psychologin kann ich meinen schlechten Gefühlen frei Ausdruck verleihen und um mein verlorenes Paradies trauern.“

Auch kleine Handreichungen wie ein Tagesablaufplan können Menschen helfen, die Schlimmes erlebt haben. Sie bringen zumindest ein wenig Struktur in das Chaos und die Ungewissheit, unter denen die Flüchlinge auf den griechischen Inseln leiden. „Ich konnte nicht schlafen, weil ich immer wieder daran denken musste, was in meinem Land und auf meiner Reise passiert ist. Ich habe auch keinen Sinn mehr darin gesehen, soziale Kontakte zu pflegen“, sagt Mahdi (Name geändert) aus dem Iran. Der 27-Jährige erzählte Mitarbeitern des Ärzte der Welt-Teams auf Lesbos, wie er in seiner Heimat von einer Schlägertruppe gefoltert worden und danach nach Europa geflohen war. „Ärzte der Welt hat mir sehr geholfen. Ich habe mit einem Psychologen über meine Erfahrungen gesprochen und er hat mich ermutigt, mir einen Plan für meine tägliche Routine zu machen. Jetzt schlafe ich besser und ich kommuniziere auch mehr mit anderen.“

Oft wird nicht geprüft, ob eine Person besonderen Schutzes bedarf

Seit das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei vor zwei Jahren in Kraft getreten ist, ist die überwiegende Mehrheit der Migrant(inn)en gezwungen, auf den griechischen Inseln zu bleiben. Besonders gefährdete Flüchtlinge, wie schwangere Frauen, unbegleitete Minderjährige, Schwerkranke oder Folteropfer, haben theoretisch eine Chance, auf das griechische Festland umgesiedelt zu werden. Doch wegen der steigenden Zahl von Neuankömmlingen - im ersten Halbjahr 2018 waren es fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr -  und den massiven Lücken im Gesundheitssystem, wird bei vielen das Asylverfahren begonnen, ohne das jemals geprüft wurde, ob eine Person besonderen Schutzes bedarf.

Die meisten Menschen müssen über mehrere Monate in überfüllten Zeltlagern ausharren, wo sie kaum vor Wetter, Ungeziefer oder gewalttätigen Übergriffen geschützt sind. Es gibt nicht genügend Essen, kaum sauberes Wasser und nur wenige Duschen und Toiletten, die oft völlig verdreckt sind.

In der Folge nehmen nicht nur psychische Erkrankungen, sondern auch Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch sowie geschlechtsbezogene Gewalt deutlich zu.

Was wir auf Lesbos tun:

Ärzte der Welt bemüht sich in Kooperation mit dem UNHCR, den Bewohner des Flüchtlingslagers Kara Tepe und anderen Unterkünften eine Basisgesundheitsversorgung zu gewährleisten. Im Zentrum unserer Arbeit stehen auch Menschen, die psychologische Unterstützung brauchen, chronisch krank sind oder Opfer geschlechtsbezogener Gewalt geworden sind.

Pro Tag besuchen im Durchschnitt 60 Personen die medizinische Anlaufstelle im Kara-Tepe-Camp. Rund 10 Prozent der Patienten werden an das Krankenhaus in der Hauptstadt Mytilini oder andere Gesundheitszentren überwiesen – zum Beispiel wegen eines Notfalls oder wenn bei einer chronischen Krankheit die Hilfe eines Experten nötig ist.

Von Januar bis Juni 2018 haben wir:

  • 11.815 Konsultationen durchgeführt
  • 11.366 Mal psychosoziale Hilfe geleistet
  • circa 900 frauenärztliche Konsultationen durchgeführt

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