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Mädchen werden in der Region Afar schon kurz nach der Geburt genitalverstümmelt. Foto: Ärzte der Welt

Einsatz in Äthiopien: Gegen Genitalverstümmelung

Äthiopien: Nein zur Genitalverstümmelung

Afar im Nordosten Äthiopiens zählt zu den heißesten Regionen der Erde. Die Menschen dort sind bitterarm, als Halbnomaden leben sie von einer bescheidenen Landwirtschaft. Wie in vielen Teilen Afrikas besteht auch in Afar die jahrhundertealteTradition, Mädchen zu beschneiden. Ärzte der Welt engagiert sich seit 2014 gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Projektreferentin Mariam Janssen-Yousaf berichtet.

Bei den Afar sind über 90 Prozent der Mädchenbeschnitten. Das verursacht oft schwere gesundheitliche Probleme wie Infektionen, Blasenentzündungen, Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr, während der Menstruation, der Schwangerschaft und Geburt. Hier setzt unser Projekt an: Wir wollen aufklären und informieren und so ein Bewusstsein dafür schaffen, dass diese Tradition extrem gesundheitsschädlich ist. Von grundlegender Bedeutung ist es, dass die Impulse dazu nicht von außen an die Afar herangetragen werden, sondern aus den eigenen Reihen kommen. Daher arbeiten wir eng mit der einheimischen Organisation ACISDA zusammen. Sie organisiert Gesprächsgruppen, zum Beispiel für Schwangere und junge Mütter und Gesprächsrunden für die angesehenen Personen der Gemeinde, die Ältesten und die Imame. Vor allem die Imame sind wichtig: Wenn sie theologisch begründen, dass Beschneidung kein religiöses Gebot ist, lassen sich die Menschen viel eher davon überzeugen, diese Tradition aufzugeben.

Besonders beeindruckend ist die Schularbeit von ACISDA: Lehrer werden angeleitet, mit ihren Schülern über weibliche Genitalverstümmelung zu diskutieren und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Durch diesen gemeindebasierten Ansatz konnten im letzten Jahr etwa 5.700 Menschen erreicht werden.

2016 werden wir das Nein zur Genitalverstümmelung noch sichtbarer machen: Anti-Beschneidungs-Slogans werden veröffentlicht, und auch die verschiedenen Medien der Region wie der lokale Fernsehsender werden stärker genutzt. Denn nur wenn sich breitere gesellschaftliche Schichten von dieser Tradition auf Dauer verabschieden, haben die Mädchen eine Chance auf körperliche Unversehrtheit und ein gesünderes Leben.“