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Ärzte der Welt-Mitarbeiter vor einem eingestürzten Haus in Hatay. Foto: Huseyin Aldemir

Wiederaufbau und neue Bedrohungen

Wiederaufbau und neue Bedrohungen

 

Ein halbes Jahr ist seit den zerstörerischen Erdbeben im Südosten der Türkei und Nordwesten Syriens vergangen. 15 Millionen Menschen waren davon betroffen. Zehntausende starben unter den Trümmern oder wurden verletzt. Die Überlebenden mussten meist tagelang in eisiger Kälte im Freien campieren und ihre Heimatorte verlassen. Inzwischen laufen die Aufräumarbeiten, doch die Bevölkerung ist nun neuen Gesundheitsrisiken ausgesetzt.

Bagger reißen Reste von stark beschädigten und einsturzgefährdeten Gebäuden nieder, verladen Trümmer und Schutt auf Lastwagen. Eine gefährliche Situation für die Bevölkerung in den vor sechs Monaten von massiven Erdbeben verwüsteten Regionen in Syrien und der Türkei.

„Durch die Abrissarbeiten ist Asbest frei geworden, ein gefährlicher und gesundheitsschädigender Stoff“, sagt Cuma Ali Özbek, Leiter der Nothilfeabteilung von Ärzte der Welt im südtürkischen Hatay. „In einer von Umweltingenieuren durchgeführten Studie wurde in etwa jedem zweiten Gebäude Asbest gefunden. Dies stellt eine ernste Gefahr für die Menschen dar.“

Durch Asbest und Unmengen (Fein-) Staub nehmen Bindehautentzündungen, Erkrankungen der oberen Atemwege, allergisches Asthma und Hautkrankheiten zu. Da Asbest krebserregend ist, rechnen Ärzt*innen langfristig mit einem Anstieg von Krebserkrankungen.

In den Camps, in die die meisten Menschen seit dem Erdbeben umgesiedelt worden sind, vermehren sich durch das heiße Wetter und der Mangel an sauberem Wasser die Mikroorganismen und Insekten. Dadurch nehmen Hautkrankheiten, wie die Krätze und Magen-Darm-Beschwerden zu. Durch die beengten Wohnverhältnisse in Zelten und Containern, steigt die Gefahr von Epidemien wie Typhus, Cholera und Tuberkulose.

Die mobilen Teams von Ärzte der Welt sind weiterhin unterwegs und bieten sowohl in ländlichen als auch in städtischeren Gebieten medizinische Grundversorgung an.

Ärzte der Welt schafft Schutzräume für Frauen und Kinder

Frauen und Kinder leiden besonders unter den Folgen von Katastrophen. Es sind fast ausschließlich die Frauen, die sie sich um ihre Großfamilien kümmern müssen. Sie müssen Essen und Wasser auftreiben um zu kochen und zu waschen. Deswegen haben gerade die Frauen oft keine Möglichkeit, medizinische, psychologische oder soziale Dienste zu nutzen. Manchmal fehlt ihnen dort auch die Privatsphäre und der Zugang zu den Angeboten, die für sie wichtig sind, wie etwa Themen rund um Frauengesundheit.

In den von den Erdbeben betroffenen Gebieten 356.000 wurden schwangere Frauen gezählt. 39.000 von ihnen werden in den kommenden Wochen ihr Kind zur Welt bringen. Gerade sie sind auf funktionierende Toiletten und Sanitäreinrichtungen angewiesen. Das diese kaum vorhanden sind, ist eine der Hauptursachen für die schlechte Versorgungslage.

Weil deutlich wurde, dass gerade Frauen und Kinder kaum Zugang zu wichtigen Angeboten haben, haben die Teams von Ärzte der Welt sichere und private Räume für sie eingerichtet. „Hier können sie eine breite Palette von Dienstleistungen in Anspruch nehmen, darunter psychologische Unterstützung, Schutz vor Übergriffen, Gesundheitsdienste rund um Sexualität, Schwangerschaft und Geburt, medizinische Untersuchungen, Zugang zu Duschen und Waschmöglichkeiten sowie einen Friseur. So können sie sich einen privaten Raum schaffen, in dem sie sich wohlfühlen und diese Angebote in Anspruch nehmen“, so Cuma Ali Özbek hinzu.

 

Was Ärzte der Welt bisher getan hat

Bereits in den ersten Tagen nach dem Erdbeben hatte Ärzte der Welt medizinische Teams entsandt, um das noch vorhandene Gesundheitssystem zu unterstützen und medizinische Grundversorgung anzubieten.

Seit Februar 2023 hat Ärzte der Welt in der türkischen Provinz Hatay

  • 17.000 Menschen
  • mit mehr als 12.000 medizinischen Konsultationen und
  • 5.000 psychologische Konsultationen (Einzel- und Gruppensitzungen) unterstützt.

In Afrin und Idlib in Syrien haben

  • mehr als 59.000 Menschen medizinische Grundversorgung angeboten.

Ärzte der Welt will seine Dienste in der Region ausbauen und unter anderem die Zahl der sicheren Räume für Frauen und Kinder in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und anderen in der Region tätigen Nicht-Regierungsorganisationen erhöhen.

 

Mehr zum Thema

Unsere Kollegin Janine Wildschut war in Hatay und beschreibt in einem persönlichen Bericht ihre Eindrücke. Lesen Sie hier ihre Beschreibung der Situation, sechs Monate nach den Erdbeben.

Hier finden Sie auch den Blog unseres Ärzte der Welt-Vorstands Günter Fröschl, der im März als Arzt in der Region tätig war.

 

 

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