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Eine geflüchtete Frau in einem Camp im Bekaa-Tal in Jordanien.Foto: Olivier Papegnies
Nothilfe

Unsichtbare Krisen

Unsichtbare Krisen

Die Kriege im Irak und in Syrien hinterlassen tausende Menschen nicht nur mit körperlichen Wunden, sondern auch mit tiefen seelischen Verletzungen. Die Zahl der psychischen Krankheiten steigt stark an. Ärzte der Welt hilft in mehreren Ländern durch Angebote für die mentale Gesundheit. Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende.

Nada S. träumte davon, Klavier zu lernen. Sie liebte die Musik, ihre Heimat Ghouta und ihr Dorf. „Ich werde mich immer an den Geruch der Erde und die Schönheit des blauen Himmels erinnern, es war dort wie in einer Oase.“ 2014 musste die damals 21-jährige von dort fliehen, denn ihre Heimat wurde zum Kriegsgebiet. Regierungstreue Truppen brachen in ihr Haus ein, zerrten ihren Ehemann aus dem Haus und verschleppten ihn. Plötzlich war sie die einzige, die ihre beiden kleinen Mädchen, ein und drei Jahre alt, schützen und versorgen musste. In der Nacht floh sie mit ihren Kindern in ein Flüchtlingslager im libanesischen Bekaa-Tal zur Familie ihres Mannes. Ihre Alpträume begannen zu dieser Zeit.  Sie entwickelte eine immer stärker werdende Angst vor der Dunkelheit und Depressionen. Mit der Einsamkeit, mit Belästigungen durch Campbewohner und einem Gefühl der Unzulänglichkeit konfrontiert, verlor sie jede Hoffnung und versuchte mehrere Male, sich umzubringen.
Im Jahr 2014 lernte sie Fatima Mahmoud, eine Mitarbeiterin von Ärzte der Welt, kennen. Zuerst fiel es Nada schwer, über alles zu sprechen, aber bald berichtete sie Fatima, dass die Familie ihres Mannes sie misshandelte, und sie sexuell belästigt wurde. Fatima verwies Nada an einen Psychologen von Ärzte der Welt und brachte sie mit Organisationen zusammen, die sie unterstützen konnten. Nada fasste durch diese Hilfe nach einiger Zeit neuen Mut, konnte eine Arbeitsstelle finden und sparte ihre Einnahmen. Nach einem Jahr konnte sie mit ihren Mädchen in eine eigene Wohnung ziehen und die Kinder in der Schule anmelden.
Nada kämpft noch immer mit vielen Schwierigkeiten, aber inzwischen ist sie widerstandsfähiger und belastbarer. Sie spürt, dass sie mit den Herausforderungen umgehen kann. „Wenn der Krieg alle Farben wegnimmt, hilft es, die psychische Gesundheit zu stärken, um sie zurückzubringen.“

 

Angebote zur mentalen Gesundheit gerade in Kriegsgebieten wichtig

Millionen Menschen in Ländern des mittleren Ostens erleben seit Jahren Krieg und Konflikt, Flucht und Vertreibung und sind Erlebnissen ausgeliefert, die oft verheerend für die emotionale Stabilität eines Menschen sind. Psychische Störungen, wie etwa Traumata, Angstzuständen und Depressionen, nehmen rapide zu.

Staatliche professionelle Angebote für die psychische Gesundheitsversorgung sind in den Krisenländern rar. Und selbst wenn es sie gibt, so werden Menschen, die eine psychologische Versorgung benötigen, oft nicht identifiziert und dorthin verwiesen. Laut dem „Weltgesundheitsbericht Psychische Gesundheit“ erleben bei einem bewaffneten Konflikt zehn Prozent der Betroffenen traumatische Ereignisse. Weitere zehn Prozent entwickeln so starke psychische Probleme, dass sie im Alltag nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zurechtkommen.

Psychologische Hilfe im Libanon, Irak und Syrien

Ärzte der Welt bietet für Betroffene im Irak, in Syrien und im Libanon Programme zur psychischen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung an. Die Teams von Ärzte der Welt behandeln psychische Störungen und helfen dabei, das psychosoziale Wohlbefinden nicht nur der einzelnen Person, sondern auch der Familien und Gemeinschaften zu fördern oder wieder aufzubauen. Beispielsweise fanden in den Einrichtungen von Ärzte der Welt im Libanon im Jahr 2017 9.521 psychologische und psychosoziale Konsultationen statt, im Irak waren es 18.060 Konsultationen.

Ärzte der Welt unterstützt beim Ausbau der psychischen Gesundheitsversorgung auf mehreren Ebenen:

  • In den Basisgesundheitseinrichtungen gibt es für alle Patientinnen und Patienten integrierte Angebote zur psychischen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung sowie je nach Bedarf sofortige Hilfe für akut Betroffene.
  • Expert(inn)en von Ärzte der Welt unterstützen die Regierungen bei der Reform und der Entwicklung einer nationalen Infrastruktur für psychische Gesundheit.
  • Die Teams sammeln und erfassen Daten von Patient(inn)en und betreiben Feldforschung im Bereich mentale Gesundheit. So können die aktuelle Lage dokumentiert und Empfehlungen mit Zahlenmaterial belegt werden.

Zu aktuellen Erfordernissen im Bereich der psychischen Gesundheit in Syrien und Irak hat Ärzte der Welt einen Bericht veröffentlicht.

 

Hier finden Sie die englischsprachige Publikation "An Invisible Crisis: Exploring Mental Health Needs in the Syrian and Iraqi Crisis".

 

Die Programme in Syrien und im Irak werden vom Auswärtigen Amt unterstützt. Dennoch ist Ärzte der Welt dringend auf Ihre Spende angewiesen. Bitte helfen Sie.

 

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