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Besonders Immigrantinen leben in Mexiko in oft prekären Lebenssituationen. Foto: Nadja Massun

Mexiko: Ärzte der Welt unterstützt eingewanderte Prostituierte

Mexiko

40.000

Migranten kommen jährlich nach Mexiko

1.200

HIV-Tests durchgeführt

28

Gesundheitsberaterinnen ausgebildet

Die Situation

Jährlich kommen etwa 40.000 Migrantinnen und Migranten aus Zentralamerika nach Mexiko. Viele versuchen nicht, in die USA zu kommen, sondern bleiben im südmexikanischen Grenzgebiet, vor allem in Tapachula.


In dieser relativ wohlhabenden Stadt im Bundesstaat Chiapas finden viele Frauen ein Auskommen als Sexarbeiterinnen.
Bis 2014 hatten sie einen vorübergehenden Aufenthaltsstatus, durften zum Beispiel in Bars offiziell arbeiten und hatten – mit ihren Familien - Zugang zum Gesundheitssystem. Seit 2014 jedoch verschlechtert sich ihre Situation aufgrund politischer Maßnahmen gegen die Migration zusehends.

Im Süden Mexikos überleben viele eingewanderte Frauen durch Sexarbeit.

Präventions- und Schadensminderungsprogramme für SexarbeiterInnen in Mexiko. Foto: Michel Redondo
Präventions- und Schadensminderungsprogramme für SexarbeiterInnen in Mexiko. Foto: Michel Redondo

Unsere Hilfe

FRAUEN UND KINDER

Unterstützung migrantischer Sexarbeiterinnen

In den Städten Tapachula und Huixtla hat Ärzte der Welt ein Netz von 28 Multiplikatorinnen aufgebaut, die in 19 sogenannten ‚Toleranzzonen’ Kontakt zu den eingewanderten Sexarbeiterinnen halten. Die Multiplikatorinnen wurden speziell geschult und wissen, welche Rechte Frauen haben und wie diese Zugang zu medizinischer Versorgung bekommen. Sie klären über Gesundheitsschutz auf und stärken das Selbstwertgefühl der Frauen.

   

Gerade für Frauen, die auf dem Straßenstrich unter prekären Bedingungen leben, ist das eine wichtige Unterstützung. Gemeinsam mit einer lokalen Initiative hat Ärzte der Welt 2015 bei der Gründung einer Organisation immigrierter und mexikanischer Sexarbeiterinnen gegen Gewalt geholfen. Durch ihr politisches Gewicht konnten erste Verbesserungen erreicht werden: die kostenlose Versorgung HIV-positiver Patientinnen und die Möglichkeit, Informationsschriften zu veröffentlichen.

  • Jossye und Meliza engagieren sich mit Ärzte der Welt als Gesundheitshelferinnen in Mexiko.

    Jossye & Meliza

    Jossye hat in Honduras alleine drei Kinder großgezogen. Der Jüngste hat starke Herzprobleme und braucht einen Herzschrittmacher, der allerdings sehr teuer ist. Jossye musste ihr Ladengeschäft aufgrund der Sicherheitslage schließen und das Land verlassen. Ihre Cousine Meliza absolvierte ihren Bachelor in Wirtschaft und Handel, fand aber keine Anstellung. Um hierher zu kommen musste sich ihre zweijährige Tochter bei ihrer Mutter lassen, die glücklicherweise eine tolle Großmutter ist. Heute arbeiten die beiden in Mexiko in einer Bar im Rotlichtmilieu und sind unzertrennlich. Sie arbeiten hier so lange es sein muss, um ihren Kindern Geld zu schicken. Am Anfang waren die beiden Frauen entsetzt über den vulgären Umgang der Gäste in der Bar: Jossye antwortete beim ersten Übergriff mit einer Glasflasche auf den Kopf des Mannes. 

    Meliza und Jossye litten unter den Belästigungen eines 35-jährigen Paares, die versucht haben, die beiden Frauen voneinander zu isolieren - eine klassische Taktik im Bemühen, sie in den Drogenhandel hineinzuziehen. Glücklicherweise trafen die beiden Frauen  auf Ärzte der Welt. Heute engagieren sie sich als Gesundheitshelferinnen und unterstützen andere Frauen.

     

    Jossye & Meliza
  • Teresa, 57 Jahre alt

    Teresa ist die einzige Gesundheitshelferin, die schon immer in Tapachula gelebt hat. Sie arbeitet in einer Bar, die momentan von ihrem Bruder betrieben wird. Durch den Job ist sie finanziell unabhängig und kann die Miete für ihre bescheidene Unterkunft bezahlen. Als Mutter von zwei Kindern und inzwischen sechs Enkeln ist Teresa inzwischen Teil des Teams von Ärzte der Welt: "Heute sollten Frauen nicht mehr ungewollt schwanger oder krank werden, nur weil ihnen das Wissen fehlt. Es gibt unzählige Wege, sich zu schützen. Als Frauen müssen wir Männer daran erinnern, wie wichtig all das ist."

    Teresa ist zutiefst geschockt über die Verfolgung von Migrantinnen. Sie unterstützt Frauen im administrativen Prozess oder begleitet sie zu den zuständigen Behörden. Sie hofft, dass die Organisation ein Schutzprojekt für geflüchtete und wohnungslose Frauen auf die Beine stellt. Ihr Traum: ein eigenes Geschäft aufzubauen - sie liebt Mode und Accessoires. Alles ist besser als die Arbeit in einer Bar.

     

    Teresa, 57 Jahre alt
  • Glenda H., 42 Jahre alt

    Mit 29 hat Glenda in Honduras in der Produktion eines amerikanischen Unternehmens gearbeitet. Als die Fabrik schloss, verlor sie ihren Arbeit und ging nach Mexiko, um eine neue Arbeitstelle zu finden. Sie überquerte die Grenze mit einem Floß. Ohne Aufenthaltserlaubnis fand sie keinen Job - niemand wollte sie anstellen. Nach langer Suche fand sie eine Stelle in einer Bar im Rotlichtmilieu. Zunächst war sie sehr glücklich und dankbar für die Unterstützung anderer Migrantinnen, denn "es ist ein gefährlicher Job. Gäste kommen, trinken und werden schnell aggressiv."

    Heute ist Glenda Hausfrau. Sie hilft ihrem Partner taquitos zu verkaufen und unterstützt in der übrigen Zeit Sexarbeiterinnen. "Es ist unglaublich wichtig, Frauen ihre Rechte zu erklären. Gerade die, die neu hier ankommen, erfahren ein Klima der Gewalt und starke Diskriminierung, unter denen viele leiden."

    Glenda H., 42 Jahre alt
  • Liseth R. sitzt am Fenster in Ihrer Wohnung. Foto: Nadja Massun

    Lizeth R., 45 Jahre alt

    Als Lizeth Honduras im Januar 2000  verließ, dachte sie nicht, dass sie  mehr als 15 Jahre später immer noch in Chiapas leben würde. Auf der Reise arbeitete sie in einer Bar in Tapachula, wo sie in den ersten Tagen den Mann traf, mit dem sie heute zusammen lebt. Nach neun Jahren, in denen sie in drei verschiedenen Bars im Rotlicht- und Drogenmilieu arbeitete, gab sie diese Arbeit auf.
    In Honduras kannte sie die Gesetze und die Rechte und Pflichten aller. „Man ist sich nicht darüber bewusst, was man alles als Flüchtling aufgibt. Auch als Flüchtlinge haben wir Rechte!"

    Auch wenn sie sich nicht mehr direkt betroffen fühlt, wird sie wütend, wenn sie sieht, wie viele Frauen immer noch keine andere Wahl haben als als Sexarbeiter zu arbeiten. Sie versucht, diejenigen zu unterstützen, die neu im Bereich der Sexarbeit oder in der Region sind. Sie informiert sie über ihre Gesundheit und ihre Rechte und hilft sie zu schützen, wenn sie von ihren Vorgesetzten oder der Polizei misshandelt werden.

    Lizeth R., 45 Jahre alt
Rückblick
1998
Projekt zur Verbesserung der medizinischen Versorgung für einheimische Bevölkerungsgruppen in Chiapas
2004
Nothilfe-Einsatz nach dem Wirbelsturm Stan
2007
Nothilfe bei den Überschwemmungen
2011
Start der Gesundheitsprogramme für Sexarbeiterinnen mit Migrationshintergrund

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