Mentale Gesundheitsversorgung in den palästinensischen Gebieten

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Eine Psychologin von Ärzte der Welt im Gespräch mit einer Patientin. Foto: Ärzte der Welt

Mental Health-Programm mit Wirkung

Mental Health-Programm mit Wirkung

 

Viele Palästinenser*innen im Westjordanland und in Gaza kämpfen aufgrund der andauernden Krisensituation mit psychosomatischen Symptomen und psychischen Krankheiten. Ärzte der Welt bildet medizinische Fachkräfte in den Gesundheitszentren mit sogenannten mhGAP-Schulungen fort, damit sie mit psychischen Leiden bei Patient*innen umgehen und Hilfsmöglichkeiten aufzeigen können. Unsere Kolleg*innen haben einige Beispiele aus der Praxis gesammelt.

„Gebt nicht auf!“

Wafaa Salem (Name geändert) ist eine fünfzigjährige Hausfrau und lebt in einem Flüchtlingslager in Gaza. „Vor meiner Krankheit waren wir eine glückliche Familie, aber die Depression hätte beinahe mein Leben zerstört", sagt sie rückblickend. Zum ersten Mal besuchte Wafaa Salem eines der von Ärzte der Welt unterstützten Gesundheitszentren, als sie ihre Schwiegertochter begleitete. Dort fiel sie einer Krankenpflegerin auf. Von dieser angesprochen, begann Salem heftig zu weinen: „Ich bin dieses ganze Leben leid, sogar mein Mann hat angefangen, mich für mein Verhalten zu hassen. Ich fühle mich die ganze Zeit traurig. Ich weine ohne Grund, ich kann nicht schlafen, und ich will niemanden sehen. Nicht einmal meine Enkelkinder, die ich früher so gerne um mich hatte. Jetzt kann mich nichts mehr glücklich machen."

Nach einer Screening-Sitzung zur psychischen Gesundheit, willigte Wafaa Salem ein, sich regelmäßig psychologisch betreuen zu lassen. Unterstützend verordnete ein Arzt ein Antidepressivum. Wafaa Salem lernte während der Sitzungen viel über ihre Krankheit und deren Behandlung und nahm auch an psychosozialen Sitzungen teil. Nach und nach verschwanden die Anzeichen der Depression.

Inzwischen sagt Wafaa Salem: „Ich habe mein Leben wiedergefunden, nachdem es mir durch die Depression geraubt worden war." Frauen, die mit Depressionen leben, rät sie: „Sucht Hilfe und gebt niemals auf."

Eine Gruppensitzung zum Thema mentale Gesundheit im Gazastreifen. Foto: Ärzte der Welt
Eine Gruppensitzung zum Thema mentale Gesundheit im Gazastreifen. Foto: Ärzte der Welt
Neuer Alltag mit gehörlosem Baby

Eigentlich war der Vater nur für eine Routineimpfung für sein sechs Monate altes Baby in die von Ärzte der Welt unterstützte Klinik im Westjordanland gekommen. Bei diesem Besuch erwähnte er gegenüber der Krankenpflegerin Asmaa’ Abu Gaith, dass das Mädchen nicht auf Ansprache reagiere. Ein Hörtest mit dem Baby zeigte, dass das Kind an einer Hörbehinderung litt. Das Ergebnis war für die Eltern schwer zu akzeptieren. Vor allem die Mutter des Kindes war sehr besorgt.

Asmaa’ Abu Gaith, die an einer Schulung von Ärzte der Welt zu psychischer Gesundheit teilgenommen hatte, klärte die Mutter über Hörverlust auf und konnte ihre Verunsicherung, Traurigkeit und Angst deutlich lindern. Auch die Versorgung des Kindes mit einem Hörgerät besprach die Krankenpflegerin mit ihr. Daneben half sie der berufstätigen Mutter, ihren Alltag zu organisieren und gab ihr Selbstfürsorgestrategien an die Hand. Die Mutter fühlt sich nun in der Lage, ihrem Kind zu helfen und selbst mit der Situation umzugehen. Sie war der Krankenschwester für ihre Begleitung sehr dankbar.

Eine Patientin im Gespräch in einem Gesundheitszentrum in Gaza. Foto: Ärzte der Welt
Eine Patientin im Gespräch in einem Gesundheitszentrum in Gaza. Foto: Ärzte der Welt
17-jähriger mit Depressionen in Gaza

„Ich kann nicht... Ich kann nichts tun... Ich habe keine Seele." Mit diesen wenigen Worten, in leisem Tonfall und mit ausweichendem Blick, beschrieb sich der 17-jährige Schüler im Arztzimmer des Shuhada'a Nuseirat Primary Health Care Centers im Gazastreifen. Er war gekommen, weil er starke Kopfschmerzen hatte. Bei der Untersuchung konnte keine eindeutige medizinische Ursache für seine Beschwerden festgestellt werden. Der Arzt bemerkte, dass der junge Mann sehr verzweifelt und unruhig wirkte. Er gab an, unter Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Konzentrationsschwäche und Traurigkeit zu leiden. Er neigte dazu, sich von anderen zu isolieren.

Gemeinsam mit dem Patienten und seinen Eltern erstellten die von Ärzte der Welt geschulten Krankenhausmitarbeitenden einen Behandlungsplan. Sie vermittelten Informationen zu den Themen psychische Gesundheit, positive Bewältigungsmechanismen und positive Kommunikation. Daneben wurde eine medikamentöse Psychotherapie durchgeführt. Das Team stellte sicher, dass die Eltern ein wesentlicher Bestandteil jedes Verfahrens waren und dass ihre unterstützende und positive Einbeziehung als Familie in allen Behandlungsschritten und -phasen gewährleistet war.

Nach mehreren Beratungssitzungen berichtete der junge Mann, dass sich sein Leben positiv veränderte, dass die Symptome nachzulassen begannen und dass er sich sehr viel besser und glücklicher fühle. Er war froh, dass er ohne Scham oder Angst vor sozialer Stigmatisierung zu den Sitzungen kommen konnte, da sie im Gesundheitszentrum und nicht in einer psychiatrischen Klinik stattfanden.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) unterstützt. Dennoch sind wir auf weitere Unterstützung angewiesen. Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende.

In Supervisionssitzungen reflektieren die Gesundheitsmitarbeiter*innen ihre Arbeit, hier in einem Gesundheitszentrum in Gaza. Foto: Ärzte der Welt
In Supervisionssitzungen reflektieren die Gesundheitsmitarbeiter*innen ihre Arbeit, hier in einem Gesundheitszentrum in Gaza. Foto: Ärzte der Welt

 

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