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Vor allem Kinder sind im Jemen von der Cholera bedroht. Foto: Jean Baptiste Lopez

Jemen: Einsatz gegen Hunger und Cholera

 

Seit über zwei Jahren herrscht im Jemen Krieg. Hunderttausende Menschen mussten fliehen, leiden an Hunger und mangelnder medizinischer Versorgung. Wir sprachen mit Wafa’a Alsaidy, Koordinatorin des Jemen-Einsatzes von Ärzte der Welt, über die Not der Zivilbevölkerung und die Arbeit von Ärzte der Welt. Bitte helfen auch Sie mit Ihrer Spende.

Ärzte der Welt ist seit 2007 im Jemen aktiv. Welche Arbeit wird dort geleistet?

Wafa’a Alsaidy: Wir sind etwa 40 Mitarbeiter, vor allem Mediziner und Logistiker. Wir arbeiten in fünf Basisgesundheitszentren, einem Mutter-Kind-Zentrum und zwei ländlichen Krankenhäusern. Wir bieten eine Basisgesundheitsversorgung, aber auch Programme zur Mental Health an, also zur psychologischen Unterstützung von Traumatisierten. Seit dem Ausbruch der Hungersnot behandeln wir in den Zentren auch mangel- und unterernährte Patient(inn)en, vor allem Kinder und Schwangere.

Im Oktober 2016 ist die Cholera ausgebrochen. Inzwischen zählt die WHO über 500.000 Verdachtsfälle und jeden Tag kommen 5000 Neuinfektionen hinzu.

Die Situation ist schon schwer genug, mit der Cholera verschlechtert sich jetzt nochmal alles. Wir bündeln alle unsere Kräfte, um die Epidemie einzudämmen. In dem Ort Bait Aloasaili bauen wir beispielsweise gerade ein Cholera-Zentrum in den Bergen auf, weil die Kranken nicht mehr zu den ländlichen Krankenhäusern gebracht werden können. Die Gemeinde hat uns eine Schule zur Verfügung gestellt, schon über 150 Kranke wurden dort medizinisch versorgt.

Unsere Teams beliefern außerdem in der Hauptstadt Sana’a und den umliegenden Gebieten die Krankenhäuser und Gesundheitsstationen mit Medikamenten. Darüber hinaus ist Ärzte der Welt Teil eines Zusammenschlusses von mehreren Nichtregierungsorganisationen, die die medizinische Hilfe und Maßnahmen gegen die Cholera umsetzen.

Seit 2014 herrscht im Jemen Krieg. Wie beeinflusst er die Arbeit Ihrer Teams?

Unser Büro ist in Sana’a, die Stadt liegt aktuell nicht an der Front, Bombardierungen sind derzeit eher selten. Aber es werden Straßen beschossen, so dass wir viele Routen meiden. Wir organisieren eine systematische Risikoeinschätzung und passen unsere Aktivitäten entsprechend an.

Bis letzten November konnten wir auch die Menschen in abgelegenen Gebieten mit unseren mobilen Kliniken erreichen. Leider ist das aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich. Wir haben aber Kontaktpersonen in den betroffenen Gemeinden und organisieren Versorgungsmöglichkeiten gerade für diese Menschen.

Wenn der Transport innerhalb des Landes so schwierig ist – wie werden Hilfsgüter aus dem Ausland über die Grenze gebracht?

Ein großer Nachteil ist, dass der wichtigste Hafen, Hodeidah, nun Militärgebiet ist und somit von uns nicht mehr genutzt werden kann. Der Transport per Flugzeug ist ebenfalls nicht mehr möglich. Ärzte der Welt schickt schon seit Längerem Hilfsgüter auf dem Landweg in den Jemen. Leider ist es häufig schwierig, die Lieferungen schnell zu bekommen, denn der Transport wird von den verschiedenen Bürgerkriegsparteien oder lokalen Machthabern oft verzögert.

Der Jemen muss 90 Prozent seiner Lebensmittel importieren. Gibt es denn noch Lebensmittel und Medikamente auf dem lokalen Markt?

Es gibt Nahrungsmittel und Medikamente, aber zu horrenden Preisen. Wegen des Krieges haben wir eine Wirtschaftskrise. Die Menschen hungern, weil sie sich die Lebensmittel einfach nicht leisten können. Auch viele staatliche Mitarbeiter und das medizinische Personal haben seit Monaten kein Gehalt mehr bekommen. Sie wissen nicht, wie sie sich und ihre Familien ernähren sollen.

Wie sehen Sie die Rolle von Ärzte der Welt im Jemen?

Seit Ausbruch des Krieges werden keine neuen Hilfsorganisationen mehr im Land zugelassen. Und es gibt nur sehr wenige Organisationen, die die Ressourcen haben, sowohl die Hungernden als auch die Cholerakranken zu behandeln. Umso wichtiger ist die Arbeit von Ärzte der Welt.

Unterstützen Sie die Arbeit von Ärzte der Welt im Jemen mit Ihrer Spende.

 

Hintergrund:
In dem Land im Süden der Arabischen Halbinsel herrscht seit 2014 ein Bürgerkrieg. Huthi-Rebellen kontrollieren große Teile des Jemens, darunter die Hauptstadt Sana‘a. Das Gesundheitssystem des Landes steht vor dem Kollaps. Trink- und Abwasserleitungen funktionieren teils nicht mehr und tragen zur Cholera-Epidemie bei, da Erreger leichter ins Wasser geraten und sich bei heißem Wetter und starkem Regen schnell verbreiten. Die Epidemie ist im Oktober 2016 ausgebrochen, In Sana’a haben die Behörden deshalb den Notstand ausgerufen. Rund 7,6 Millionen Menschen leben laut der WHO in Gebieten, in denen das Risiko einer Cholera-Übertragung hoch ist.