Mental Health-Versorgung in den palästinensischen Gebieten

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Ärzte der Welt-Landeskoordinator für Palästina Mahmoud Isleem. Foto: Ärzte der Welt

„Die Menschen schätzen uns“

„Die Menschen schätzen uns“

 

Die angespannte Situation hinterlässt bei vielen Menschen im Gazastreifen und im Westjordanland deutliche Spuren in der mentalen Gesundheit. Seit Jahren setzt sich Ärzte der Welt in den palästinensischen Gebieten für die Verbesserung der psychischen Gesundheitsversorgung ein. Landeskoordinator Mahmoud Isleem spricht über Herausforderungen und Erfolge.

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Mahmoud, was genau macht Ärzte der Welt im Gazastreifen und im Westjordanland?

Im Westjordanland bieten wir psychologische und psychosoziale Unterstützung für Palästinenser*innen, die unter Gewalt und Zerstörung durch israelische Siedler leiden.

Im Gazastreifen führen wir weiterhin medizinische Notfall- und Präventionsmaßnahmen und Behandlungen in drei großen Kliniken durch. Auch haben wir Notaufnahmestationen in Zentren für medizinische Grundversorgung eingerichtet.

Gleichzeitig haben wir mit Mitteln des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) acht Projekte zur Schulung des Personals in Gesundheitszentren im Gazastreifen und im Westjordanland fortgesetzt, damit die Teams psychologische Unterstützung für die häufigsten psychischen Erkrankungen erhalten und auch anbieten können.

 

Wie groß ist denn die Akzeptanz der Angebote zur psychischen Gesundheit in der palästinensischen Bevölkerung?

Grundsätzlich ist die Akzeptanz psychosozialer Angebote eher gering. Aber viele kennen uns inzwischen. Seit 2011 bieten wir psychosoziale Versorgung im Westjordanland an. Wir sind aufsuchend tätig, das heißt, wir fahren direkt zu den Menschen und besuchen sie in ihrem Zuhause, was die Akzeptanz von psychosozialen Diensten sehr erhöht.

Außerdem arbeiten wir mit anderen Organisationen zusammen, die sich um weitere wichtige Belange kümmern, beispielsweise um Rechtshilfe, Unterstützung zur Existenzsicherung, in der Landwirtschaft, im Bereich Kinderschutz oder bei geschlechtsspezifischer Gewalt.

Daneben organisieren wir Medienkampagnen und Aufklärungsveranstaltungen, die von lokalen Partnern in Gaza durchgeführt werden. So wollen wir die Menschen von der Bedeutung mentaler Gesundheit überzeugen und die Skepsis gegenüber psychosozialen Diensten verringern.

 

Das Projekt setzt auf mehreren Ebenen an. Neben den Patient*innen sind auch die Mitarbeiter*innen in den Gesundheitsstationen im Fokus. Wie funktioniert das?

Das vom BMZ finanzierte Projekt zur psychischen Gesundheit richtet sich an 38 Basisgesundheitszentren, 23 im Westjordanland und 15 im Gazastreifen. Dieses Projekt unterstützt unter anderem das Personal, damit es über ein systematisches und einheitliches Wissen für Überweisungen und zur Dokumentation verfügt.

Die Mitarbeiter*innen im Gesundheitszentrum werden darin geschult und begleitet, psychische Probleme, geschlechtsspezifische Gewalt, Gewalt gegen Kinder oder besondere Herausforderungen wegen einer Behinderung zu erkennen und die Menschen zu beraten. Dafür gibt es unter anderem regelmäßige Supervisionen, Schulungen am Arbeitsplatz, Fallkonferenzen, in denen Patientengeschichten besprochen werden, oder Gespräche mit dem Ziel, die Handlungsmöglichkeiten des Personals zu stärken.

Wir arbeiten auch an der Dokumentation sowie an einem Überweisungs- und Meldesystem für psychische Erkrankungen in den Basisgesundheitszentren.

 

Ärzte der Welt arbeitet eng mit lokalen Organisationen zusammen, um mehr Menschen zu erreichen und breitere Maßnahmen umzusetzen. Hast Du hier ein Beispiel?

Auf kommunaler Ebene, insbesondere im Gazastreifen, arbeiten wir mit einem lokalen Partner zusammen, um Aufklärungsveranstaltungen für die örtliche Bevölkerung durchzuführen. Die Mitarbeiter*innen des lokalen Partners wurden von Ärzte der Welt darin geschult, wie man Patient*innen mit einer psychischen Erkrankung erkennen und an eine passende Stelle überweisen kann.

Von Anfang 2022 bis heute hat der lokale Partner mit 3.284 Personen Aufklärungsveranstaltungen durchgeführt. Allein in den letzten sechs Monaten hat das Team unseres lokalen Partners 87 Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt identifiziert. Von so einer hohen Zahl von Fällen geschlechtsspezifischer Gewalt zu erfahren bedeutet, dass die Menschen unsere Angebote schätzen und bei uns einen geschützten Rahmen vorfinden, um über die jeweiligen Bedürfnisse und Probleme im Bereich der psychischen Gesundheit zu sprechen.

 

Die Gewalt in den palästinensischen Gebieten hat im April wieder stark zugenommen. Neben den furchtbaren Konsequenzen für die Menschen, was bedeutet das für die Arbeit der Ärzte der Welt-Teams?

Vor allem während des Ramadans, dem heiligen Monat der Muslime bzw. der Osterzeit der Christen, war die Lage enorm angespannt. Es gab Zusammenstöße und eine hohe Zahl von Verletzten und Verhaftungen. Das bedeutet für Ärzte der Welt, dass die Teams aufgrund der Sicherheitslage nur mit Einschränkungen arbeiten können. Im Westjordanland sind unsere Teams aktuell nur dann unterwegs, wenn es unbedingt notwendig ist. Möglichst viel wird online erledigt. Die Teams dürfen in bestimmte Gebiete im Westjordanland nur nach vorheriger Sicherheitsbeurteilung fahren und nur in Ärzte der Welt-Fahrzeugen, die mit Schutzausrüstung, einschließlich Helmen und kugelsicheren Westen, ausgestattet sind.

Das bedeutet leider auch, dass wir bei einer instabilen Sicherheitslage die Menschen schlechter erreichen können.

 

 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) unterstützt. Dennoch sind wir auf weitere Unterstützung angewiesen. Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende.

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