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Ärzte der Welt hilft in Kambodscha Menschen mit angeborenen Fehlbildungen. Foto: Ärzte der Welt

In Kambodscha führt Ärzte der Welt chirurgische Eingriffe durch.

Wenn Operationen glücklich machen

Ehrenamtlich arbeitende Spezialisten von Ärzte der Welt helfen in Kambodscha Kindern und Erwachsenen mit angeborenen Fehlbildungen. Oft leiden die Patienten jahrelang unter ihren Entstellungen und werden nicht selten deswegen auch sozial ausgegrenzt.

Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs der letzten Jahre zählt Kambodscha weiterhin zu den ärmsten Ländern der Erde. Und vor allem das Gesundheitssystem profitiert bislang nicht von diesem Aufschwung: Es befindet sich in sehr schlechtem Zustand, staatliche Gesundheitseinrichtungen stehen insbesondere den Menschen in ländlichen Regionen nur in begrenztem Umfang zur Verfügung. Und ein privater Arztbesuch ist für viele unbezahlbar. Umso notwendiger ist deshalb der Einsatz von europäischen Spezialisten-Teams wie das von Ärzte der Welt, welches die arme Bevölkerung unentgeltlich behandelt.

Schwerpunkt der Mediziner ist die plastische Chirurgie: Seit 14 Jahren reisen sie im Auftrag von Ärzte der Welt mindestens zwei Mal pro Jahr in die Provinz Kampong Cham und in den Distrikt Ou Reang Ov, um dort Patienten mit Tumoren im Gesicht sowie Verbrennungs- und Unfallopfer zu operieren. Am häufigsten suchen Menschen mit angeborenen Fehlbildungen wie der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte die Hilfe der Mediziner. Ebenfalls recht häufig ist die Meningoenzephalozele, auch Hirnbruch genannt. Dabei bildet sich aufgrund einer Entwicklungsstörung im Mutterleib eine Lücke in der Schädeldecke, durch die ein mit Haut bedeckter Teil des Gehirns austritt. Die Folgen sind auch hier Deformierungen des Gesichts, die das Leben für die Betroffenen unerträglich machen können.

Mit Informationen und Aufrufen im Radio wird die Bevölkerung über die Behandlungsorte und -zeiten des Ärzte der Welt-Teams informiert. Und die Schlangen, die sich dann vor den Kliniken bilden, sind lang. Denn oft leiden die Patienten jahrelang unter ihren Entstellungen und werden nicht selten deswegen auch sozial ausgegrenzt. Besonders schlecht ergeht es den Mädchen und jungen Frauen. Sie finden weder Arbeit noch einen Ehemann und sind deswegen mittellos. Die „Aktion Lächeln“, so der Name des Projekts, kann mithilfe von plastisch-rekonstruktiver Kiefer-Chirurgie hier korrigierend eingreifen. Ein Eingriff, der das Leben der Betroffenen nachhaltig und zum Positiven hin verändert. Denn äußerlich wiederhergestellt, gewinnen die Betroffenen ein positiveres Selbstbild und werden auch von ihrem gesellschaftlichen Umfeld besser akzeptiert.

Im vergangenen Jahr konnte das Team im Rahmen von zwei Einsätzen knapp 200 Patienten erfolgreich operieren. Außerdem gaben die Mediziner Weiterbildungs-Kurse für Ärzte und Pflegekräfte. Im Mittelpunkt standen Themen wie Erste Hilfe für Neugeborene und Kinder, Hygiene, Verbandstechniken und die Versorgung nach Operationen. In Zukunft sollen diese Trainings weiter ausgebaut werden.

Neben dem Projekt „Aktion Lächeln“ bietet Ärzte der Welt Weiterbildungen für die Anwendung von Ultraschall-Untersuchungen an. Im November 2013 fand für 26 Mediziner/-innen aus Kampong Cham und sieben umliegenden Krankenhäusern eine einwöchige Schulung zur Nutzung des Ultraschalls in der Kinderheilkunde und Gynäkologie, in der Kardiologie und Inneren Medizin statt. Unterstützt wurde das Ärzte der Welt-Team während der Schulungen durch eine Mitarbeiterin und einen Mitarbeiter der Firma Siemens – Siemens hatte für das Projekt zwei Ultraschall- Geräte gespendet. Nach mittlerweile zwei Jahren ist das erste Projektziel erreicht: Grundkenntnisse an die einheimischen Kolleg(inn)en zu vermitteln und eine effektive Nutzung der Ultraschallgeräte zu sichern. Nun gilt es, noch mehr Ärzte als bisher auszubilden und sie zu befähigen, in Zukunft ihr Wissen an die Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben.