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Die Lebensbedingungen in Ankereinrichtungen schaden den Menschen. Foto: Bayerischer Flüchtlingsrat

Ein Jahr „Ankerzentren“: Unzumutbare Bedingungen

Ein Jahr „Ankerzentren“: Unzumutbare Bedingungen

Die Lebensbedingungen in sogenannten Ankerzentren machen krank. Bei einer Pressekonferenz des Bayerischen Flüchtlingsrats hat Ärzte der Welt deshalb gefordert, sie abzuschaffen.

„Die Zustände in Ankerzentren und Massenunterkünften machen psychisch gesunde Menschen krank und psychisch Kranke noch kränker“, sagte die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Stephanie Hinum auf der Pressekonferenz Ende Juli. Die Veranstaltung fand anlässlich des Jahrestags des „Pilotprojekts Ankerzentrum“ in München statt. Seit Anfang 2019 bietet Hinum im Rahmen einer Kooperation von Ärzte der Welt und Refugio München eine offene Sprechstunde in der Ankereinrichtung Manching/Ingolstadt an.

Vor allem für schwer belastete Patient*innen ist das Leben in der Einrichtung aus psychiatrischer Sicht unzumutbar, so die Psychiaterin. Sie berichtete unter anderem von einer jungen Frau die auf ihrer Flucht in einem libyschen Foltergefängnis interniert gewesen war und unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Alles in der Einrichtung – die nicht abschließbaren Duschen, gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Bewohner*innen und Sicherheitsdienst oder Polizeikontrollen – löst bei der Patientin Erinnerungen an ihre schrecklichen Erlebnisse aus. Es mangele in der Unterkunft unter anderem an einem System, besonders Schutzbedürftige rasch und systematisch zu identifizieren und entsprechende Hilfe anzubieten, sagte Hinum.

Bei der Pressekonferenz kamen auch Betroffene selbst zu Wort. Bewohnerin Blessing, die nur mit ihrem Vornamen genannt werden möchte, kritisierte die nicht ausreichende medizinische Versorgung in den abgelegenen Zentren. „Als ich mein Kind zur Welt gebracht habe, war ich völlig allein, ohne Unterstützung“, berichtete sie.

Aber auch Männer und Frauen, die keiner besonders vulnerablen Gruppe angehören, leiden unter den Bedingungen in den sogenannten Ankereinrichtungen. „Nachts kann man nicht schlafen, weil die Polizei Abschiebungen durchführt“, erzählte der ehemalige Bewohner Amir. Er berichtete auch von Übergriffen durch Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, die anhand ihrer Uniformen nicht identifizierbar seien.

„Als rechtsfreie Räume im Rechtsstaat“, bezeichnete die Rechtsanwältin Anna Frölich bei der Veranstaltung die Ankerzentren. Vor allem bemängelte sie, dass die Bewohner*innen keinen ausreichenden Zugang zu unabhängigen Informationen über das Asylverfahren haben.

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