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Jakob Reineke, MedMobil Stuttgart. Foto: Isabell Hoch

Jakob Reineke: "Viel Beziehungsarbeit"

Jakob Reineke: "Viel Beziehungsarbeit"

Wie gestalten wir unser Zusammenleben? Wer hat welche Möglichkeiten? Diese Fragen beschäftigten Jakob Reineke, Projektreferent von MedMobil, schon im Studium. Seit sechs Jahren ist er Teil des Teams und kümmert sich in Stuttgart um Menschen, die auf medizinische Hilfe angewiesen sind.

Jakob Reineke ist viel herumgekommen. So lernte er während des Studiums der Religionswissenschaft Arabisch und arbeitete unter anderem für ein Straßenkinderprojekt in Kairo, Ägypten. Diese Erfahrungen prägten ihn: „Durch meine Praktika und Arbeitsstellen hatte ich viel mit dem Thema seelische und körperliche  Gesundheit zu tun. Das hat mein Interesse an der Verflechtung von Gesundheit mit sozialen Angelegenheiten geweckt.“

Noch während seines Studiums der sozialen Arbeit mit Schwerpunkt Wohnungsnotfallhilfe nahm Jakob Reineke im September 2013 eine Stelle bei MedMobil, dem Kooperationsprojekt von Ärzte der Welt und der Ambulanten Hilfe Stuttgart, an. Er ist Ansprechpartner für die ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen und koordiniert die Einsätze mit dem Behandlungsfahrzeug  zu den verschiedenen Standorten in Stuttgart. Jeden Werktag wird mindestens eine Sprechstunde angeboten. Reineke führt auch die Sozialberatung der Patientinnen und Patienten vor Ort durch.

„Man muss die Menschen aufsuchen“

Warum sie mit dem MedMobil unterwegs sind? „Es hilft oft nicht, einfach ein Büro aufzumachen, denn da kommen die Leute nicht hin. Man muss sie aufsuchen und einen einfachen Zugang ermöglichen. In Stuttgart gibt es außer uns kaum Projekte, die das im medizinischen Bereich machen“, erklärt Jakob Reineke. Auch der Umgang mit den Patient*innen unterscheidet sich von einer normalen Praxis: „Es ist vor allem Beziehungsarbeit. Viele Menschen haben vorher schlechte Erfahrungen mit Ärzten oder Behörden gemacht und sind deshalb voreingenommen. Umso wichtiger ist es, erst einmal Vertrauen aufzubauen. Das ist das Prinzip unserer niedrigschwelligen, aufsuchenden Arbeit.“ Dafür sei es auch wichtig, sich die besondere Lage der Menschen zu vergegenwärtigen, sagt Reineke: „Bis die Leute in so eine Lebenssituation kommen, ist schon viel passiert. Kleinigkeiten können sich zu großen Hürden auswachsen. Vielen fehlt das Netzwerk, die Kraft und das soziale und finanzielle Kapital.“

Langfristige gesellschaftliche Veränderungen bewirken

Damit sich langfristig und strukturell etwas an der Situation ändert, versucht Jakob Reineke relevante politische Gremien und Entscheider für die Sorgen und Nöte der Zielgruppe zu sensibilisieren. „Mir gefällt dieser politische Auftrag und ich brauche auch beide Seiten im Projekt, um die Arbeit gut und gerne machen zu können. Allerdings ist hier ein langer Atem nötig. Nichts verändert sich von heute auf morgen.“

 

Lesen Sie auch unseren Artikel 10 Jahre Hilfe auf der Straße und die allgemeinen Informationen zum MedMobil Stuttgart

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