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Geflüchtete in Kroatien und Serbien sind unter schlechten Bedingungen untergebracht. Foto: Marcos Moreno

Wenn europäische Politik krank macht

Wenn europäische Politik krank macht

Während Europa weiter um eine gemeinsame Linie in der Flüchtlingspolitik ringt, müssen Geflüchtete auf dem Balkan mit den Folgen bisheriger Kompromisse, aber auch staatlicher Alleingänge zurechtkommen. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Situation für Flüchtlinge in Serbien und Kroatien, von denen viele schwer psychisch belastet oder traumatisiert sind. Welche Auswirkungen das derzeitige europäische Asylsystem auf die mentale Gesundheit der Schutzsuchenden hat, zeigt auch eine Studie von Ärzte der Welt Belgien.

Auf dem Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise war die Balkanroute der am häufigsten genutzte Weg von Migranten nach Zentral- und Nordeuropa. Allein 2015 reisten mehr als 850.000 Flüchtlinge durch die Länder Südosteuropas. Mittlerweile sind dort deutlich weniger Menschen unterwegs – auch weil Staaten wie Ungarn ihre Grenzen geschlossen haben. Doch diejenigen, die sich heute noch in den Balkanländern aufhalten, leiden oft unter Repressionen und schlechten Lebensbedingungen. Ärzte der Welt leistet ihnen medizinische und psychologische Unterstützung.

Gewalt durch Sicherheitskräfte

Wie schwierig die Situation der Migranten in der Region ist, zeigt sich etwa in Serbien. Dort warten die Menschen in den Flüchtlingszentren darauf, dass ihnen Ungarn Asyl gewährt. Da die ungarischen Behörden jedoch nur wenigen Geflüchteten pro Tag Zugang gestatten, versuchen Migrant*innen regelmäßig die Grenze illegal zu überqueren. Werden sie dabei aufgegriffen, sind sie häufig Gewalt durch die Sicherheitskräfte ausgesetzt, bevor sie zurück nach Serbien gebracht werden.

Ein weiteres Transitland, das Flüchtlinge oftmals auf ihrem Weg in Länder wie Deutschland oder Schweden passieren, ist Kroatien. Nur vergleichsweise wenige Flüchtlinge beantragen dort Asyl, die meisten reisen zunächst weiter in andere EU-Staaten. Dort jedoch droht ihnen aufgrund des Dublin-III-Abkommens die Abschiebung zurück nach Kroatien. Durch die Verordnung ist derjenige Staat verpflichtet, das Asylverfahren durchzuführen, in dem Menschen auf der Flucht erstmals die Europäische Union betreten haben. Ist dies beispielsweise in Kroatien der Fall, dann können andere EU-Staaten die Geflüchteten – auch zwangsweise – wieder dorthin zurückbringen.

Angstzustände und Depressionen

Jede*r Asylsuchende hat somit seine ganz eigene Lebens- und auch Fluchtgeschichte. Doch welche Auswirkungen haben solche Erfahrungen auf die Psyche? Diese Frage hat sich auch Ärzte der Welt Belgien gestellt und Bewohner*innen einer Flüchtlingsunterkunft in Zagreb für eine Studie befragt.

Demnach leiden rund 58 Prozent der Geflüchteten unter Angstzuständen, 67 Prozent unter Depressionen und circa 65 Prozent unter weiteren psychischen Störungen. Wie sich auch bei der Arbeit unserer Teams vor Ort zeigt, scheinen die Symptome ausgeprägter bei Asylbewerber*innen, die von der Dublin-III-Verordnung betroffen sind. Dies überrascht kaum angesichts der Bedingungen, denen sie während des Dublin-Verfahrens ausgesetzt sind. Sie müssen wesentlich länger auf ihre Asylentscheidung warten als jene, die gleich nach ihrer Einreise in Kroatien geblieben sind. Hinzu kommen mitunter traumatische Erfahrungen, die die Geflüchteten in anderen EU-Staaten gemacht haben.

Dublin-III-Abkommen behindert Integration

Viele von ihnen haben in ihrem ursprünglichen Zielland bereits begonnen, die Landessprache zu lernen, sind einer Beschäftigung nachgegangen und haben sich einen Freundes- und Bekanntenkreis aufgebaut. Dieser laufende Integrationsprozess wird durch ihre Abschiebung nach Kroatien – ein für sie unbekanntes Land – abrupt zerstört. Nicht selten werden sie vor den Ausweisungen in Abschiebelagern oder Gefängnissen festgehalten. Bei Asylbewerber*innen, die in ihrer Heimat oder auf der Flucht traumatische Erfahrungen gemacht haben, besteht die Gefahr einer Retraumatisierung.

Unsere Teams auf dem Balkan – bestehend aus Allgemeinmedizinern, einer Krankenschwester, einem Psychologen und einem Dolmetscher – unterstützen die Geflüchteten deshalb nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch. Für die Menschen in den Flüchtlingszentren sind sie dabei in der Regel die einzigen Ansprechpartner*innen für ihre gesundheitlichen Probleme.

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