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Ein Junge im Jemen. Foto: Reuters

Jemen: Ärzte der Welt fordert mehr Hilfe

Jemen: Tragödie immensen Ausmaßes

Genf, 25.April 2017. Im Jemen sind 500.000 Kinder vom Hungertod bedroht. Die internationale Gemeinschaft traf sich deshalb zu einer Geberkonferenz und beriet über Hifsmaßnahmen. Die rund 50 beteiligten Länder einigten sich auf eine Zahlung von insgesamt 1,1 Milliarden Dollar – benötigt werden jedoch mindestens 2,1 Milliarden Dollar. Die Lage im Jemen bezeichnete der UN-Generalsekretär António Guterres als „größte Hungerkrise" weltweit. Helfen Sie mit Ihrer Spende.

Die Hilfsorganisationen Ärzte der Welt, Aktion gegen den Hunger, Care, Handicap International und Première Urgence Internationale sind im Jemen aktiv und haben anlässlich der Konferenz und angesichts der Situation in dem Land folgende Forderung veröffentlicht:

JEMEN – DIE MENSCHEN VERHUNGERN IM BOMBENHAGEL

Im Jemen werden 19 Millionen Menschen – so viele wie New York Einwohner hat oder insgesamt in den Niederlanden leben – unaufhörlich bombardiert, sind abgeschnitten von lebenswichtiger Versorgung, können nicht fliehen und erhalten kaum Unterstützung aus dem Ausland.

 

Am 25. April fand in Genf eine Geberkonferenz für den Jemen statt, initiiert von UN-Generalsekretär António Guterres. Das ist für uns Anlass, als Organisationen unsere Stimme zu erheben: Wir sind zutiefst empört darüber, dass Millionen Frauen, Männer und Kinder als Geiseln genommen werden – als Geiseln einer ermatteten Diplomatie und der Barbarei von Kriegsparteien, die das internationale humanitäre Völkerrecht mit Füßen treten.

Jeden Tag versuchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Organisationen, den am stärksten Betroffenen die lebensnotwendige Hilfe zukommen zu lassen. Allzu oft können wir unserem Auftrag jedoch nicht gerecht werden, da die Konfliktparteien den Zugang zu den Hilfsbedürftigen verhindern. Zu der desolaten Sicherheitslage und den administrativen Hürden kommt erschwerend die De-facto-Blockade für humanitäre Güter hinzu. Denn die Resolution 2216 des UN-Sicherheitsrats – die ja eigentlich die zivile Bevölkerung schützen sollte – hat dazu geführt, dass medizinische Versorgung, Lebensmittel und andere Hilfsgüter die Menschen nicht mehr erreicht.

In einem Land, das 90 Prozent seiner Nahrungsmittel importiert, kommt schlichtweg nicht mehr genug zu Essen bei der Bevölkerung an. Schätzungen zufolge sind aktuell 500.00 Kinder vom Hungertod bedroht. Über den Hafen von Hodeidah gelangen noch einige wenige lebenswichtige Güter in das Land und noch ist der Hafen zu etwa zehn Prozent in Betrieb. Würde er vollständig abgeriegelt, würde das die Lage dramatisch verschlechtern. Das gesamte Gesundheitssystem könnte vor unseren Augen kollabieren. Deswegen fordern wir: Der Hafen muss geöffnet bleiben! 

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jemen beobachten immer wieder, dass auch in stark bevölkerten Gebieten Minen und Bomben eingesetzt werden. Dieses Vorgehen widerspricht dem humanitären Völkerrecht, das den Schutz von Zivilisten fordert. Wir sehen Tote, Verletzte und eine traumatisierte Gesellschaft. Viele der Menschen leiden unter den körperlichen und seelischen Folgen dessen, was sie Tag für Tag erleben und erleiden müssen.

Die gesamte internationale Gemeinschaft trägt die Verantwortung. Es gibt Staaten, die weiterhin Waffen in den Jemen liefern und keine politischen Maßnahmen ergreifen, um die Menschen aus dieser Notlage zu befreien. Wir erwarten von der internationalen Gemeinschaft, dass sie deutliche Worte findet und die nötigen finanziellen Hilfen für den Jemen bereitstellt. Das reicht aber nicht, solange weiter eine Seeblockade besteht, Bomben auf Wohngebiete fallen und der Zugang zu den Hilfsbedürftigen nicht oberste Priorität ist. Bei dieser Geberkonferenz geht es nicht nur um Geld. Es geht darum, inwieweit sich unsere Regierungen dem humanitären Völkerrecht verpflichtet fühlen. Es sei denn, sie verraten ihre Prinzipien – genauso wie die Opfer der Katastrophe im Jemen, die sie nicht ausreichend beschützt haben.


Die Unterzeichner:
Jean-François Corty, Ärzte der Welt
Isabelle Moussard-Carlsen, Aktion gegen den Hunger
Wael Ibrahim, Care
Jean-Pierre Delomier, Handicap International
Hélène Quéau, Première Urgence Internationale