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Informationsveranstaltung für Frauen in München

Neues Projekt für Migrant*innen

Neues Projekt für Migrant*innen

Mit einem Bündel an Maßnahmen unterstützt Ärzte der Welt Migrant*innen, die besonders gefährdet sind, wegen ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung  zum Ziel gewalttätiger Übergriffe zu werden.

Migrant*innen und Geflüchtete, vor allem Frauen, Kinder und Personen mit LGBTIQ*-Identität, sind laut zahlreichen Studien besonders häufig von geschlechtsbezogener Gewalt betroffen. Doch der Zugang zu Unterstützungsangeboten für diese Menschen ist oft eingeschränkt. Aufgrund von Barrieren wie Sprache, mangelnder Information über Hilfs- und Beratungsangebote oder Diskriminierung, werden Betroffene nicht angemessen versorgt.

Projekt in vier Ländern

Vor diesem Hintergrund engagiert sich Ärzte der Welt seit Dezember 2019 im Projekt „Reach out“, das von der Europäischen Union finanziert wird. Es wird in Deutschland, Belgien und den Niederlanden – jeweils durch die ansässigen Ärzte der Welt-Sektionen – sowie in Serbien durch das Serbische Rote Kreuz umgesetzt. Die Organisationen haben sich zum Ziel gesetzt, den Zugang zu notwendigen Unterstützungsleistungen für potenziell betroffene Migrant*innen und Geflüchtete in den jeweiligen Ländern zu verbessern.

Das Projekt enthält mehrere Maßnahmen und Aktivitäten, um dieses Ziel zu erreichen:

  • Ein Ziel besteht darin, die Vernetzung zwischen den Akteur*innen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Hilfesystems zu intensivieren. Bei Vernetzungstreffen werden relevante Stellen gemeinsam Lösungen für bestimmte Probleme erarbeiten. Dazu gehört beispielsweise die Frage, wie potenziell Betroffene besser identifiziert und erreicht werden können.
  • Zudem werden im Zuge des Projekts Schulungen für Fachkräfte und Kulturmediator*innen organisiert. Dabei wird Wissen vermittelt zu Themen wie dem kultursensiblen Umgang mit Betroffenen von geschlechtsbezogener Gewalt, anhand welcher Indizien man sie erkennt und wie man Betroffene weitervermittelt. Geburtshelfer*innen werden dafür sensibilisiert, worauf sie bei der Behandlung von Frauen achten müssen, die von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen sind. Fachkräfte lernen, wo Menschen Hilfe finden können, die zur Prostitution gezwungen werden.
  • Neben Fachkräften ist das Reach Out-Projekt auch an Betroffene selbst gerichtet. In Kooperation mit Fachstellen und Expertinnen sollen Workshops für Bewohnerinnen in Flüchtlingsunterkünften angeboten werden In den Workshops lernen Frauen beispielsweise ihre Rechte kennen und erhalten Informationen, wohin man sich wenden kann, wenn man Gewalt erfahren hat.

Die Aktivitäten werden öffentlichkeitswirksam und mit politischer Arbeit begleitet. Wir wollen die Daten und Erfahrungen, die wir während des Projekts sammeln  nutzen, um strukturelle Verbesserungen für potenziell betroffene Migrant*innen und Geflüchtete zu erwirken.

Erste Aktivitäten und Reaktionen auf Covid-19

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten auch viele Beratungs- und Anlaufstellen für Betroffene geschlechtsbezogener Gewalt ihre Angebote vorrübergehend einschränken oder aussetzen. Es wurde zunehmend unübersichtlich, wo man noch Unterstützung bekommen kann und wie man die unterschiedlichen Stellen erreicht. Damit Betroffene und deren Ansprechpartner*innen weiterhin informiert bleiben, an wen und in welcher Form (z. B. telefonisch oder mit einem Termin) sie sich wenden können, hat Ärzte der Welt in Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Münchner Fachstellen eine Übersicht über Erreichbarkeiten der entsprechenden Angebote angefertigt. Diese ist auf unserer Website zugänglich und wird laufend aktualisiert.

Während der Corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen war in Unterkünften für Geflüchtete nur eine eingeschränkte oder teils gar keine Beratung durch Sozialdienste möglich. Deshalb haben wir kurzfristig einen mehrsprachigen Aushang mit Kontaktdaten wichtiger Organisationen für Frauen, die geschlechtsbezogene Gewalt erlebt haben, erstellt. In Zusammenarbeit mit dem Malteser-Betreuungsdienst wurden die Informationsblätter zum Beispiel in der ANKER-Dependance-Fürstenfeldbruck in gut besuchten Bereichen wie der Kantine sowie in ausschließlich von Frauen genutzten Bereichen, wie Damentoiletten, ausgehängt.

Aushang in einer Flüchtlingsunterkunft
Aushang in einer Flüchtlingsunterkunft
Multiplikatorinnen-Netzwerk gegründet

Ebenfalls im Zuge der Coronakrise ist eine weitere Initiative entstanden: das „Multiplikatorinnen-Netzwerk in Unterkünften in München“. Dieses Netzwerk soll Frauen zu Botschafterinnen in ihren Unterkünften ausbilden, die dann Informationen und Wissen an andere Frauen weitergeben. In den ersten Online-Schulungen wurden Frauen aus unterschiedlichen Unterkünften zu gesundheitlichen Aspekten, Ausgangsbeschränkungen sowie aktuellen Angebote für Frauen und Kinder informiert. Im Rahmen des Reach-Out-Projekts soll auch eine Schulung zu geschlechtsbezogener Gewalt angeboten werden, in der zum Beispiel über die Rechtslage, konkrete Maßnahmen nach Gewalterfahrung und die unterschiedlichen Anlaufstellen informiert wird. Am Projekt „Multiplikatorinnen-Netzwerk“ sind neben Ärzte der Welt weitere Organisationen, wie der Paritätischer Wohlfahrtsverband, das Frauengesundheitszentrum München und der Bayerische Flüchtlingsrat München, beteiligt

 

Der Begriff geschlechtsbezogene Gewalt umfasst jene Gewalttaten, in denen das Geschlecht oder die Sexualität der von Gewalt Betroffenen oder der Täter*innen eine Rolle spielen. Diese reichen von (sexueller) Belästigung, Diskriminierung, Vergewaltigung und Nötigung durch eine fremde oder bekannte Person sowie anderen Formen der häuslichen Gewalt bis zu Menschenhandel oder weiblicher Genitalverstümmelung. Der Begriff umfasst physische, psychische, ökonomische sowie sexualisierte Gewalt. Frauen, Kinder und LGBTIQ* Personen sind unverhältnismäßig stark von geschlechtsbezogener Gewalt betroffen.

 

Das Projekt wird von der Europäischen Union (Generaldirektion Justiz und Verbraucher) finanziert.

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